Chaz Jankel – Rumba-Spaß
LABEL: Claremont 56Paul Murphys Label Claremont 56 nimmt eine echte Legende der britischen Musik in sein Programm auf – Chaz Jankel, der Mann, dessen schwindelerregende Musikalität und Liebe zu Soul, Funk und Disco den Klang von Ian Durys Band The Blockheads in den späten 1970ern und frühen 80ern maßgeblich prägten.
Als virtuoser Tasteninstrumentalist mit großer Liebe zur schwarzen US-amerikanischen Musik waren Jankels Bearbeitungen und seine Fähigkeiten als Komponist entscheidend für den Erfolg ihrer Platten. Die funkigsten darunter wurden nicht nur zu spartenübergreifenden Pop-Hits – man höre besonders „Hit Me With Your Rhythm Stick“ und „Reasons To be Cheerful, Part 3“ – sondern liefen auch in heute legendären New Yorker Klubs wie dem Paradise Garage und dem Studio 54 in starker Dauerschleife.
Das setzte sich in den prägenden Jahren seiner Sololaufbahn fort: „My Occupation“, „Questionnaire“ und „Glad To Know You“ (später von Todd Terje bekanntlich neu geschnitten und mit Ausblendungen für Nu-Disco-Tanzflächen versehen) wurden allesamt zu Klub-Hits. Der große Quincy Jones nahm zudem Jankels ansteckende Single „Ai No Carrida“ neu auf, während das experimentelle, klubtaugliche Synthesizer-Stück „3,000,000 Synths“ in den frühen Jahren der Electro-Bewegung ebenfalls einflussreich war.
Für sein Debüt auf Claremont 56 hat Jankel ein ganz neues Stück abgeliefert, das Anfang dieses Jahres aufgenommen wurde: das schlicht betitelte „Rhumba Jam“. Eine typisch warme, groovende und vorwärtsrollende Angelegenheit, in der Jankel ansteckende, ausgedehnte Soli am Rhodes-E-Piano über einen wohlig warmen Bass, kurz angerissene Gitarrenfiguren, Synthesizer-Motive im Akkordeon-Stil und einen dicht geschichteten Rhumba-Rhythmus legt. So entspannt und sonnendurchflutet es auch ist, es hat zugleich reichlich Potenzial für Balearen-Tanzflächen.
Murphy fertigt eine neue Abmischung unter seinem inzwischen vertrauten Namen Mudd an, lehnt sich in die träge Balearen-Stimmung des Stücks hinein und behält dabei die Tanzfläche fest im Blick. Er beginnt mit einer verlockenden Mischung aus metronomischen Trommeln und klirrenden akustischen Gitarren und schichtet dann nach und nach zentrale Elemente von Jankels Original übereinander – man denke an gummiartigen Bass, rhythmisches Händeklatschen, verschlungene Synthesizer-Klänge und jene wunderbaren, ausgedehnten Soli. Es ist eine Fassung, die der Qualität von Jankels Musikalität, Herstellung und Bearbeitung die gebührende Ehrerbietung erweist, sie zugleich behutsam ausdehnt und für Balearen-Tanzflächen des 21. Jahrhunderts neu einrahmt.