El Michels Affair – 24 Std. Sport
LABEL: Big Crown RecordsLeon Michels ist still und leise zu einem der begehrtesten Produzenten der Musik geworden. Sein unverkennbarer Klang hat die Aufmerksamkeit des breiten Publikums auf sich gezogen und beflügelt zugleich weiterhin die Untergrundszene. Seit dem El Michels Affair & Black Thought-Album Glorious Game aus dem Jahr 2023 war Michels damit beschäftigt, Platten für andere Künstler zu produzieren: Norah Jones’ Grammy-prämiertes Visions, Clairos Grammy-nominiertes Charm, Kali Uchis’ „Moonlight“ sowie Alben für Labelkollegen wie Brainstory, Derya Yıldırım & Grup Şimşek, Thee Heart Tones und Liam Bailey. Sein neues Album 24 Hr Sports markiert die mit großer Spannung erwartete Rückkehr zu Aufnahmen unter seinem eigenen Namen, El Michels Affair. 24 Hr Sports wurde von Mode und grafischer Gestaltung der Sports Illustrated-Hefte der 80er und 90er Jahre inspiriert, von MF DOOMs Special Herbs-Alben, den dafür verwendeten Klangquellen sowie von Gospelmusik nach Art von Pastor T.L. Barrett. Die Summe dieser Einflüsse, verbunden mit Michels’ makellosem schöpferischem Gespür, erweist sich als Rezept für einen sofortigen Klassiker, der gewiss zu den meistgefeierten Veröffentlichungen des Jahres 2025 zählen wird. Der Albumauftakt „Drum Line“ ist ein hymnisches, erhebendes Stück mit Marschkapellen-Schlagwerk und donnernden Bläsersätzen, die ungeteilte Aufmerksamkeit verlangen und den Ton für das Kommende setzen. 24 Hr Sports bedeutet eine deutliche Abkehr von der weitgehend instrumentalen Musik des El Michels Affair-Katalogs und bietet eine Reihe von Gesangsgästen, die es schafft, die schwer fassbare Stilart seiner Musik widerzuspiegeln.
Der erste davon auf dem Album ist „Mágica“ mit Brasiliens Rogê. Er treibt die ohnehin schon pulsierende Kraft des Stücks mit seinen vom Fußball inspirierten Texten über die Grenze. Von Brasilien nach Ghana: „Say Goodbye“ mit Florence Adooni stellt ihre Eigenart mit lässiger Ungezwungenheit heraus, springt zwischen Frafra und Englisch und sagt im Ohrwurm-Refrain frei heraus: „never gonna nd a girl like me...“. Labelkollege und weltbekannter Trompeter von The Roots, Dave Guy, stößt zum 70er-Jahre-Groove von „Oakley’s Car Wash“ mit seinen markanten Bläserlinien, bevor das Stück die Spur wechselt und mit einem dubartigen Ausklang endet. Von rau bis gelassen: „Anticipate“ mit Clairo greift die musikalische Verbundenheit zwischen ihr und Leon auf, aus der das Charm-Album von 2024 entstand. Clairo bewegt sich mühelos in den typischen EMA-Arrangements, während sie sich nach einer unerreichbaren Liebe sehnt – getragen von der wasserdichten Instrumentierung der Band. „Eastside“ ist ein Lied, das den Sonnenaufgang über dem Meer untermalen könnte und Leons geschmackvollen Umgang mit Raum und Satzkunst auf ein Podest hebt.
Aus Japan kommt der Suginami Children’s Choir hinzu und singt auf dem üppigen „Clean The Line“ ein Lied über Mond, Sonne und Vögel. Danach tritt „Cortex“ die Tür ein: mit rauen, verzerrten Gitarren und donnernden Trommeln setzt es einen Moment reiner, filmischer Wucht in die Mitte des Albums. Leon selbst übernimmt den Hauptgesang auf „Shining“, einem Lied über die Suche nach einem Freund, mit dem man die Freuden eines sonnigen Tages teilen kann. Der allseits geliebte Shintaro Sakamoto ist auf „Indifference“ zu hören, einem geschniegelt-lässigen Stück, das auf hüpfenden Bassläufen und Flötenschnipseln aufbaut. Shintaro nutzt die Arrangements, um vom Singen ins Sprechen zu wechseln, und sinnt über eine flüchtige Liebe nach. Das Grammy-prämierte Duo Norah Jones und Michels findet auf „Carry Me Away“ wieder zusammen; Jones’ honigsüße Stimme schwebt über einem Stück, das schwer einzuordnen, aber leicht zu lieben ist. Leon lehnt sich bei diesem Lied deutlich in El Michels Affair-Gefilde – es klingt entschieden anders als die Norah-Jones-Platten, die er produziert hat.
„Take My Hand“ rückt den Gospel-Einfluss in den Mittelpunkt, mit dem Chor der Fabulous Rainbow Singers im Refrain und einem Saxofonsolo des unvergessenen Rahsaan Roland Kirk. „Open Season“, ein Stück in mittlerem Tempo, vom Klavier getragen, mit Gruppengesang, der „we want the gold, we want the gold...“ skandiert, könnte einen Zeitlupen-Höhepunktfilm untermalen, während der treffend betitelte Albumabschluss „Victory Lap“ ein verträumtes, glückseliges Ausklingen ist, wie es dieser eben beendeten Platte gebührt. Wenn alles gesagt ist, spricht die Trophäe auf dem Albumumschlag Bände. El Michels Affair ist Siegerklang – und 24 Hr Sports hämmert das nachdrücklich ein.