Ilan Padhtzur – Nachtstadtleben
LABEL: SpacetalkSollten Sie sich bei einem Spaziergang am Ufer der Themse im Schatten der City of London wiederfinden, halten Sie Ausschau nach der kopfhörertragenden Gestalt Ilan Pdahtzurs. Während geschniegelt gekleidete Bankangestellte und frustrierte Bürokräfte nach Hause zu ihren Familien hasten, kann man Ilan oft dabei antreffen, wie er bewundernde Blicke zu den blinkenden Lichtern hoch aufragender Wolkenkratzer hinaufwirft, während er seine Ohren mit den von Synthesizern getragenen Klängen weniger bekannter Tanzmusik der 1980er füllt. Ilan, ein eifriger, aber wenig bekannter Plattensammler, der vor allem dafür bekannt ist, auf seinem beliebten Instagram-Auftritt die Gestaltungen obskurer und unterschätzter Clubstücke der frühen bis mittleren 80er zu teilen, gräbt seit seinen Teenagerjahren nach leuchtenden, kaleidoskopischen Platten. Nun hat er dank Spacetalk die Gelegenheit erhalten, einen Blick in seine neonhell erleuchtete nächtliche Musikwelt zu gewähren. Das Ergebnis ist Night City Life, eine umwerfende Sammlung von Synthesizer-Stücken der 1980er, angeregt durch Ilans Bewunderung für das Leuchten der Londoner Nachthimmel-Silhouette. Über 13 unverzichtbare Titel hinweg führt uns Ilan in einem farbenfrohen Spurt durch seltene Italo-Disco, schwüles südafrikanisches Synth-Boogie, sprudelnden amerikanischen Freestyle, schrulligen österreichischen Elektro-Funk und vieles mehr. Natürlich sind etliche begehrte Stücke vertreten, aber auch eine feine Auswahl unterschätzter Kleinode, die aus dem einen oder anderen Grund seit ihrer Veröffentlichung vor dreieinhalb Jahrzehnten so gut wie unbeachtet geblieben sind. Tatsächlich sind manche Auswahlen so obskur, dass es im Netz kaum Informationen über sie gibt. Man höre zum Beispiel Preludios „Mysterious Nights“, eine stimmungsvolle Verschmelzung langsamer elektronischer Grooves, verträumter Akkorde und glitzernder Klaviermotive, die zuvor auf einem wenig bekannten Album unscheinbaren deutschen Synth-Pop vergraben war, oder die Wühlkisten-Glanzleistung von Fragiles süßem Synth-Pop-Kleinod „We’ve Got Tonight, Boy“, einem Stück, das Ilan zufolge fähig ist, sich „wie Ranken um deine Seele zu wickeln“. Da hat er nicht Unrecht. Am anderen Ende der Skala finden sich die ultrarare Italo-Disco-Leichtfüßigkeit von Friend of Mine mit dem unglaublichen „Just Your Pride“ und Mac & Monicas seelenvolles südafrikanisches Synth-Boogie-Stück von 1986 „You’re So Good To Me“, dessen Exemplare im Netz regelmäßig für Hunderte Pfund den Besitzer wechseln. Ilan hatte im vergangenen Jahr ursprünglich Kontakt zu den Männern hinter der Platte aufgenommen, um ihnen zu erzählen, dass eines ihrer anderen vergessenen Kleinode in einer Boiler Room-Sitzung gespielt worden war; selbstverständlich waren sie begeistert. Auch anderswo auf der Zusammenstellung gibt es viel zu bewundern: von den Wogen analoger Synthesizer, perlenden Melodien und wippenden Schlägen der instrumentalen Dub-Fassung von Brian Tatchers „Hot Love“ – ein Stück aus der Zeit des Kalten Krieges, angeregt von der Vorstellung, dass Liebe mitten in einer Kernschmelze aufblüht – bis zum Bobby-Orlando-ähnlichen Freestyle-Gewusel von Janelles „Don’t Be Shy (Dub)“ und der funkelnden Nach-Boogie-Brillanz von Jarmaz’ „Night City Life (Disco Remix)“, einem Titel, den Ilan unzählige Male gehört hat, während er die Mitternachts-Silhouette seiner Heimatstadt bewunderte.