Adey Omotade – Eero: Eesu
LABEL: AfrosynthAdey Omotade, ein Klangkünstler und Kulturkartograph, verwurzelt in Lagos und geprägt von Erfahrungen der Zerstreuung in Paris, Johannesburg, Berlin und der Elfenbeinküste, bringt in diese Arbeit ein seltenes Gespür ein: zwischen Welten wandelnd, trägt er den Takt der Heimat und die Dissonanz der Zerstreuung in sich. In seinen Händen wird Klang zum Ritus: eine Wanderung der Seele, eine Zusammenfügung von Glocken, Weisen und Gesängen, gewoben aus Ifa-Schreinen, Flussufern und Yoruba-Festen. In der Doppelrolle als Griot und Kartograph baut Omotade, der in Klangökologie, Versuchsmusik und Klanggestaltung arbeitet, jedes Stück wie einen Schrein: geschichtet, absichtsvoll, lebendig von Atem und Blut, jedes Stück eine Trankspende, jede Zäsur eine Anrufung. Jedes Stück entfaltet sich wie Aso-Oke, das Festgewand des Yoruba-Volkes: Trommeln, die in Vielrhythmen sprechen, Klanggeber, die sich wie Wellen biegen, Beschwörungen, geschichtet wie Erinnerung, die verblassen und dann wiederkehren, sanft wie das Wasser an den Ufern des Osun-Flusses.
Der Einfluss der versuchsweisen Klanggestaltung ist überall spürbar, doch ‘Ni'ran’ ist keine kalte Abstraktion. Es pulsiert vor Leben, mit dem Herzschlag sprechender Trommeln, dem Atem umgebender Klangflächen und der Wärme der Stimmen der Babalawos, Priester des Ifa, die allen Ire (Segnungen) zusprechen. ‘Oori : Ogbe’ ruft das heilige Odu Ifá an — einen Weissagungsvers, der von Anfängen, Klarheit und Schicksal spricht. In ‘Ofo : 'Nkantation’ entfalten sich Vielrhythmen wie Verse, jeder Schlag eine verschlüsselte Botschaft, die die Hörenden einlädt, über Schicksal und Ausrichtung nachzusinnen. Das Titelstück ‘Ęęro : Eeşu’ beginnt mit der unheimlichen Stimme eines Priesters, der das Odu Ifá vorträgt, ein Ruf, Eesu das ihm Zustehende zu geben. Schlagmuster entfalten sich wie Verse, jeder Schlag zugleich Erinnerung und Gebet.