Konfuzius MC / Bastien Keb - Lieder für verirrte Reisende
LABEL: Native Rebel RecordingsDer Rapper Confucius MC aus Süd-London kehrt für ein neues Vorhaben an der Seite des Produzenten und Mehrfachinstrumentalisten Bastien Keb zu Shabaka Hutchings’ Native Rebel Recordings zurück. Indem sie unerforschte Wege zwischen Rap, Volkslied und Jazz zu einem geistigen Dreiklang verbinden, ist Songs For Lost Travellers, dessen Veröffentlichung für den 7. Februar 2025 vorgesehen ist, ein Album wie keines, das einer der beiden Künstler zuvor gemacht hat – vielleicht wie keine Schallplatte, die es überhaupt gibt. Offen und unmittelbar erfüllen die beiden Songs For Lost Travellers mit Wissen und Wahrheit aus ihren gelebten Erfahrungen.
In den Tönen verbirgt sich Trauer, eine innewohnende Schwermut, die durch das Bewusstsein ausgeglichen wird, dass Trauer ein Protest gegen das gesellschaftliche Getriebe ist, das uns gefühllos halten will. Die Schallplatte verweilt in einem versenkten Zustand, ohne Scheu vor Unruhe und die Einsamkeit annehmend, in der Erwartung, dass Frieden ebenso nahe ist wie der Tod. Weder Con noch Keb machten sich bei der Entstehung von Songs For Lost Travellers viel aus dem Tonstudio. Stattdessen entschieden sie sich für den rohen Zustand ihrer Aufnahmen zu Hause und die ersten Durchläufe, passend zur Vertrautheit des Alleinseins und Nachsinnens in ihren schöpferischen Kräften. Das Raumrauschen auf ‘Tell Me Lies’ lässt es wirken, als hättest du ihre Wohnungen betreten. Die Unmittelbarkeit setzt sich auf ‘Gutters’ fort, wenn Keb Gitarre spielt, während er fernsieht, und Con zur Gesangsmelodie mitsummt, auf der Suche nach der richtigen Lücke für seine Strophe.
Mehr angezogen von Kebs jüngsten Volkslied-Aufnahmen auf der Songs For Lilla EP als von seinen Funk-Wurzeln zur Zeit von Dinking In The Shadows of Zizou oder der filmischen Seele von The Killing of Eugene Peeps, lehnte sich Con in die räumliche Freiheit hinein, die er in Kebs grobkörniger Niedrigtreue-Herstellung hörte, zusammengefügt aus Feldaufnahmen und Sprachnotizen. Beide Künstler stellten ihre Familien in das Bild; Con schrieb ‘Little Man’ für seinen Sohn, in der Hoffnung, einen positiven Beitrag zum Kanon elterlicher Rap-Lieder zu leisten. Später erscheint sein Sohn am Ende von ‘Paramount’ und trägt eine Passage aus Kahlil Gibrans The Prophet vor. Keb nahm heimlich seine Mutter auf, wie sie Saxofon spielt, und nahm auch seinen Vetter auf, der Saxofon spielt. Das Ergebnis ist ein nahezu schlagzeugloses Album (abgesehen von ‘Toulouse’ und leichtem Klopfen auf ‘It Would Speak’), in dem Kebs rohe Herstellung (plus ein paar Sitzungen mit Kofi Flexxx an der Flöte) Con eine Schwellenzone gab, unbelastet von Schlägen je Minute, um Melodien zu formen, die seine philosophischen Reime in Sinnsprüche verwandeln.