aus & Die bescheidene Biene – Chalybeate
LABEL: flauChalybeate hält einen einmonatigen Aufenthalt des in Tokio ansässigen Produzenten aus in Ikaho fest, einem der traditionsreichsten Onsen-Orte (heiße Quellen) Japans, im Herbst 2024. Ausgehend von Feldaufnahmen, die in den Bädern mehrerer Ryokan entstanden, formte aus die unterirdische Bewegung der Onsen mit örtlichen Einzelheiten: das Blubbern des Quellwassers, die Hōzuki-Laternenpflanzen und die an jedem Gasthaus angebrachten Windspiele sowie die Insekten und Vögel der Umgebung.
Statt Ikaho als Landschaft abzubilden, zeichnen die Aufnahmen den Atem des Ortes nach. Das Material wurde zunächst vor Ort als eine Installation gezeigt, die sich über acht verschiedene Bäder entfaltete, in denen Besucher beim Baden in Roten-buro (Freiluftbädern) zuhörten. Das Vorhaben fand große Beachtung, weil es das Zuhören als leiblichen Vorgang vorschlug, untrennbar von Wärme, Feuchtigkeit und Dauer. Chalybeate setzt diese Installation als Album neu zusammen. Die Aufnahmen ließ man ein Jahr lang in Ikahos Luft und Feuchte ruhen, sodass sich der Klang selbst langsam verändern konnte.
Der Titel verweist auf Ikahos eisenreiches Mineralwasser, bekannt als „Goldenes Wasser“, das bei Kontakt mit Luft oxidiert und rostfarbene Spuren in seinen Bädern hinterlässt. Diesem Vorgang folgend wurde der Klang des Albums wiederholt erneut eingetaucht und überarbeitet und nahm nach und nach eine angegriffene, zerfressene Beschaffenheit an. Bandrauschen, sanfte Verzerrung und feine Schwankungen steigen leise auf, wie Dampf. Was bleibt, ist nicht Dokumentation, sondern Rückstand. Das Mischen übergab Craig Tattersall, bekannt für seine Arbeit mit The Boats und The Remote Viewer, an den in Manchester ansässigen Produzenten The Humble Bee, nachdem aus sich beim Durchqueren von Ikahos steilen Steinstufen verausgabt hatte. Der Austausch spiegelt das Werk selbst: von der Badewanne zur heißen Quelle, vom Klang zu etwas, das den Körper umgibt. Holzbläserartiges Bandrauschen und die Bewegung des Wassers lösen sich ineinander auf. Die Musik ist nicht auf einmal da. Sie setzt sich langsam, als würde man in warmes Wasser hinabgleiten.