Luca dell’Orso – Liebe Rosie EP
LABEL: CWPTMelodienreich und mit einem sofort zeitlosen Anschein gibt Luca dell’Orso auf CWPT sein Einstandswerk: eine verlängerte EP mit üppigem Italo, einfühlsam aus den Niederlanden heraufbeschworen. Nach dem Eindruck, den er mit früheren Veröffentlichungen auf Marken wie Bordello A Paligiaria und Red Laser Records hinterlassen hat, zeigen diese sechs Stücke einen feinsinnigen Umgang mit seiner Studioarbeit, der zwischen Popschreiben und analogem Erproben hin und her huscht. Aus der sanften Fanfare, die „Solitair & Solidair“ ankündigt, formt „Actors“ einen sicheren Rhythmus, der ein Alfa-Romeo-Gaspedal behutsam in balearische Verzückung drückt. Auf der unmittelbar zündenden Vorabveröffentlichung „Dear Rosie“ verbindet dell’Orso die unverwechselbare Klangpalette des alten Yamaha-X7-Synthesizers mit sehnsüchtigem Gesang der Mitwirkenden Jolisa. Als Loblied auf einen besonderen Menschen aus ferner Vergangenheit ist „Dear Rosie“ mit einer wehmütigen Melodie gesegnet, wie sie zu einem Klassiker von Eric Rohmer passt – eine musikalische Postkarte einer kostbaren Verbundenheit. Aus wehmütigen Erinnerungen an den Hochsommer versetzt dell’Orso die Hörenden mit „Winter Scent“ mühelos in eine ganz andere Jahreszeit: eine tiefe Betrachtung, die seine Spaziergänge in den wenigen Stunden verfügbaren Sonnenlichts spiegelt, Gedanken, die unter einer schweren Klangschicht auf schöne Weise mit Stimmverfremdung überzogen sind. Aus dieser üppigen Düsternis erblüht auf dem antreibenden, zuversichtlichen „Love by Association“ der unvermeidliche Klang des Frühlings; ein dauerhaftes Rezept aus markanten Trommeln und tonhöhenverschiebender Klangsynthese, für fiebrige Eurodisco-Tanzflächen in der Zeit eingefroren. Auf „Propaganda“ bietet dell’Orso eine kraftvollere Auslegung derselben Regungen, überspringt innere Schengen-Grenzen und köchelt über industriell gefärbte Genüsse, wie sie in Düsseldorf, 1984, zutage treten. Für ein erhabenes Finale wendet sich „This Time (Things Will Be Different)“ dem Klavier zu, wo Luca dell’Orso Raum findet, den eleganten Minimalismus zu zeigen, der mühelos neben seiner zeitlosen Energie bestehen kann.