Ankunft mit Kevin McCormick – Eins
LABEL: Before I DieEs wirkt vielleicht widersinnig, auf den zunehmenden Lärm der Welt nicht zu reagieren, indem man ihn noch vermehrt, sondern indem man die Stille sucht. Oder etwas, das ihr nahekommt. Die erste EP von Arrival tut genau das – sie fügt eindringliche Klangräume und fein ausgearbeitete Hintergründe zusammen – und bereitet damit die Bühne für die vollkommen getroffenen, tief melancholischen Betrachtungen von Britanniens am wenigsten bekanntem und wertvollstem Gitarristen, Kevin McCormick. Gordon Milson und Mark Rayner als Arrival, und auch Kevin, sind allesamt stolze Einwohner von Stockport. Sie stehen im Mittelpunkt von etwas, das sich in der Stadt leise regt. Sie nennen es (unter Verwendung der Postleitzahl des Stadtteils) SKambient. Es ist eine junge Musikszene, die aus den Rissen zwischen dem Kopfsteinpflaster eines vernachlässigten alten Stadtviertels sprießt, rund um die verschlungenen Underbanks. Hier sind Außenseiter wie die maßgefertigte Hochklang-Bude Odioba und Bruk Orte, die Plattenauflegern und Zuhörern offenstehen, die nach etwas Tieferem und weniger schlicht herausforderndem suchen als nach dem üblichen, brüllenden Manc-Krach, R. Kid.
Es ist organische elektronische Musik und (eingedenk der Hügel von Derbyshire, die man überall in der Stadt durch die Lücken hervorlugen sieht) auch ländlich geprägt. Nun, da die Mühlen und Werkstätten verstummt sind, um nie wieder in Gang gesetzt zu werden, sind diese vernachlässigten Räume in bezahlbare (vorerst) Einheiten aufgeteilt worden, sodass junge Klangschaffende neue Antworten auf eine nach-, nachindustrielle Landschaft erproben können. Das ist nicht überraschend. Dies ist die Stadt, in der 1975 der erste (und vielleicht größte) ruhige Pop-Titel, 10ccs „I'm Not In Love“, aufgenommen wurde – in den legendären Strawberry Studios. Kevin McCormick – mit einer ganzen Reihe zu Recht verehrter, maßstabsetzender Platten auf seinem Namen – ahmt niemanden nach. Doch in seiner Herangehensweise gibt es deutliche Nachklänge. Man denke an das unbestreitbare Genie von Vini Reilly. Sein auf ewig überwältigendes „Return of The Durutti Column“ wurde in demselben Studio abgemischt. Neben Arrival und ihren unverkennbar beruhigenden Kompositionen sind die ehemaligen Mühlen und umgebauten Räume voller Klapprechner und Instrumente, die von einer gleichgesinnten, erweiterten Gemeinschaft in Jack Lever/Open Tapes, Arcade, Joe Synkro, Bop, Elsewhere und Thought Leadership geteilt werden. Es wäre grob, zu behaupten, all das klinge gleich, doch es gibt einen klaren Faden, eine bestimmte Empfindsamkeit. Arrival haben bereits beträchtliche Unterstützung von typisch neugierigen Balearic-Auswählern und Sammlern aus dem Hintergrund erhalten. Es ist Musik, die aus Freude daran gemacht wird, und hier veröffentlicht wird sie vom einzigartig aufgeschlossenen Plattenaufleger und festen Szenegestalt Jason Boardman über sein Label Before I Die.