Wilson Gerber – II
LABEL: Efficient SpaceWilson Tanner gehen mit einem neuen Album schwebender, leicht gesalzener Melodien an Land. Indem sie elektroakustische Gepflogenheiten über Bord werfen, nahmen Andrew Wilson (Andras) und John Tanner (Eleventeen Eston) dieses neue Werk an Bord eines Flussdampfers aus den 1950er Jahren auf – mit einem einfallsreichen Aufgebot wetterfester elektronischer Instrumente und einem langen Verlängerungskabel. Diese acht Stücke ziehen einen Beifang aus Seefahrtsüberlieferung an Land; von Sirene und Selkie, Möwe und schillerndem Motorölfilm. Als Kurswechsel gegenüber ihrem Debütalbum 69 (Growing Bin Records, 2016) sinkt die Umgebungstemperatur, während II bei unsicherer Witterung hinaus auf See sticht und in die sicheren Häfen der Port-Phillip-Bucht zurückkehrt. Die Seefahrer brechen auf zu My Gull's gefasstem Optimismus. Die Vögel schauen zu – doch hören sie auch zu? Mit dem Eintreffen von Loch and Key hat sich das Ufer vollständig aufgelöst, das Boot treibt in stiller Unendlichkeit, während der Rest der Welt sich dreht. Bald schlagen die Verhältnisse auf Killcord Pts I-III – einer 12-minütigen Odyssee – in eine tückische Richtung um, die die Luken dichtmacht, während diese Seeleute erbarmungslose Wellen und blendende Gischt ins Auge fassen und gemeinsam Elektronik der Berliner Schule und Seebeine bündeln. Danach erkunden die wasserdurchtränkten Pieptöne von Idle den Schaden, während unsere ausgedörrte Mannschaft das Notsignal gibt und schließlich in Fieberwahn versinkt. Dafür bekannt, als Solomusiker eigene Wege zu steuern, ist Wilson und Tanners gemeinsames Erzählen bis in die Einzelheiten getränkt und hält sich zwischen Spannung und Einklang über Wasser. II steht bescheiden als eines der gelungensten Werke beider Künstler.